Irrtümer bei der Flächenheizung

Heizen bis der Arzt kommt: Diese Zeiten sind Gott sei Dank vorbei. Denn: Der Großteil der Neubauten wird mit Flächenheizungen ausgestattet.

Zwei Gründe spielen bei dieser Entscheidung eine wichtige Rolle.

1. Die deutlich geringeren Vorlauftemperaturen von Flächenheizungen und damit die erheblichen Energieeinsparungen.

2. Der durch diese Art der Heizung vergrößerte Anteil an Strahlungswärme, die eine wohlige, angenehme Wärme erzeugt.

Auch in der Renovierung sind Fußboden- und Wandheizungen problemlos nachrüstbar. Doch gerade bei den Renovierungswilligen herrscht noch große Unsicherheit gegenüber dieser „neuen“ Art zu heizen. Nachstehend die größten Irrtümer bei der Flächenheizung anhand einiger üblicher Aussagen über diese Art der Heizwärmeübergabe.

“Vor einer Wandheizung sollen keine Schränke oder Regale stehen, da
sich die Wärmestrahlung dahinter staut und nicht ins Zimmer gelangen
kann.”

Falsch. Das könnte höchstens der Fall sein, wenn ein massiver Einbauschrank, wie er früher einmal modern war, komplett und direkt vor die Wand gestellt wird. Heute sind kleinere Regale, offene Schränke und flexible Schranksysteme Trend, die die Wärme nicht schlucken, sondern durchaus zirkulieren lassen. Im Badezimmer werden Wandheizungen zudem meist hinter der Badewanne und hinter der Dusche eingebaut, wo so oder so in den seltensten Fällen Schränke montiert werden. Ebenfalls gängig und sinnvoll ist die Kombination von Wand- und Fußbodenheizung. Und zwar im Verhältnis 2/3 Fußboden-, 1/3 Wandtemperierung. Dann kann problemlos im Vorfeld überlegt werden: Wo soll später ein Schrank hin, wo kann die Wandheizung installiert werden?

“Beim Aufhängen von Bildern ist Vorsicht geboten. Es besteht die
Gefahr, mit dem Nagel die Heizschlange zu treffen.”

Keine Angst! Mit einer Folie, die auf Wärme reagiert (Thermofolie), kann bei laufender Heizung schnell festgestellt werden, wo die Rohre in der Wand verlaufen. Dazu wird die Heizung zunächst runtergekühlt bis die komplette Wand kalt ist und dann wieder aufgeheizt. Die Thermofolie zeigt deutlich die warmen Rohre und wo auf keine Fall gebohrt oder ein Nagel eingeschlagen werden sollte. Ein ebenfalls simpler Trick: Während der Bauphase die Lage der Rohre fotografieren.

“Wer in einem Mehrfamilienhaus wohnt, kann sich nicht im Alleingang
für eine Flächentemperierung entscheiden. Die gesamte Gemeinschaft muss
mitziehen.”

Falsch. Auch bei hohen Systemtemperaturen, wie sie bei Heizkörpern gefahren werden, kann eine Systemtrennung erfolgen und damit die für Flächenheizungen niedrigeren Vorlauftemperaturen erreicht werden. Hierfür wird lediglich eine Verteiler-Regelstation benötigt (wird mit passendem Einbaukasten geliefert), die der Installateur in einem  Nebenraum oder Abstellraum einbaut.

“Wer eine Fußbodenheizung hat, bekommt heiße, dicke Füße.”

Falsch. Das war vielleicht ganz in den Anfängen der Fußbodenheizung, etwa in den 60-er/ 70-er Jahren, der Fall. Damals wurden die Fußbodenheizungen noch an den Rücklauf der Heizung geschaltet und dadurch mit deren hohen Vorlauftemperaturen betrieben. Heute arbeiten Flächenheizungen mit niedrigen Vorlauftemperaturen von etwa 35 °C. Diese Strahlungswärme erzeugt ein angenehmes und wohliges Gefühl und eine kaum spürbare Oberflächentemperatur am Boden von circa 25 °C.

“Wer eine Flächenheizung mit einer Wärmepumpe betreibt, der heizt mit
Strom.”

Falsch. Lediglich einige Komponenten der Wärmepumpe benötigen Strom. Geheizt wird hingegen mit kostenloser Umweltenergie, die meist aus der Wärme des Grundwassers oder dem Erdreich gezogen wird (= umgekehrter Kühlschrankeffekt). Experten gehen von einem Verhältnis von 1/5 vergünstigtem Strom zu 4/5 kostenloser Umweltenergie aus. Je weniger hoch eine Wärmepumpe die Temperatur “heben” muss, umso mehr  Umwelt-energie kann diese pro kWh Strom “ernten”. Eine Flächenheizung ist deshalb mit ihren niedrigen Vorlauftemperaturen die ideale Wärmeübergabe.

JS

Ulrich Lippmann

Architekt | Energieberater