Trockene Luft im Passivhaus? Gibt es das? – Mythos 2
Das Passivhaus erfreut sich wachsender Beliebtheit. Nichtsdestotrotz kämpft es weiterhin mit einigen Mythen. So manche Thesen zum Energieeffizienten Bauen werden gerade am Thema Passivhaus sehr engagiert diskutiert. So auch in der Zeitschrift Passivhaus-Kompendium, aus dem ich anschließend direkt und z.T. sinngemäß zitieren möchte.
Mythos 2
“Im Passivhaus ist die Luft trocken.”
Trockene Luft im Passivhaus? Richtig ist, dass es im Passivhaus keine zu feuchte Luft gibt. Richtig ist aber auch, dass es unter Umständen im Winter zu eher trockener Luft kommen kann, was allerdings häufig mit der Luftwechselrate zusammen hängt. Aber der Reihe nach:
Kalte Luft kann wesentlich weniger Feuchtigkeit aufnehmen als warme. In den Wintermonaten ist die Außenluft deshalb ohnehin deutlich trockener als zur warmen Jahreszeit. Wird die angesaugte kalte Luft in der Lüftungsanlage erwärmt, transportiert sie im Rahmen ihrer physikalischen Möglichkeiten nur sehr wenig Feuchtigkeit; die relative Luftfeuchtigkeit ist niedrig. Dies kann dazu führen, dass sich im Passivhaus eine relative Luftfeuchte von weniger als 30% r.F. einstellt. Technisch lässt sich dem begegnen, indem die Luftwechselrate auf das hygienisch notwendige Maß (z.B. knapp 0,3-facher Wechsel) reduziert wird. (An dieser Stelle sei auch auf den Blogeintrag “Fensterlüften – üblich – aber machbar?” verwiesen) Denkbar ist auch der Einsatz von Luftbefeuchtern oder der Einsatz von Feuchterückgewinnungsgeräten in der Lüftungsanlage – technische Lösungen, die in aller Regel aber energetisch, hygienisch und finanziell vor dem Einsatz genau abzuwägen sind.
Angst vor der trockenen Luft braucht keiner zu haben, da man das Thema mit richtiger Luftwechselstrategie oder notfalls auch mit anderen technischen Maßnahmen minimieren kann.
Im Übrigen ist dieses Phänomen auch in hygienisch ausreichend gelüfteten Nicht-Passivhäusern bekannt und wird oft als “Trockene Heizungsluft” bezeichnet. Früher entstand dies durch die Kombination von Hochtemperatur-Heizsystemen und zugigen Wohnungen und war dort überhaupt nicht lösbar.
Also dieser Mythos ist: Nicht abwegig aber in aller Regel lösbar.
Lesen Sie auch Mythos 1
“Im Passivhaus darf man die Fenster nicht öffnen.”
erschienen am 13.01.2012
und
Mythos 3
“Frieren im Passivhaus”
erschienen am 10.02.2012
Entnommen aus: Beileger “Die großen Passivhaus-Mythen” erschienen in: Passivhaus Kompendium 2010 – Laible Verlagsprojekte – Postfach 129 – 78472 Allensbach – Teilweise ergänzt und kommentiert durch UL